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DIYM geistige Gefährdungen

[gG:] [FAZ] Mili tanzt für Liebig: The big.ger they get, the brighter they burn!

In unseren Städten kämpfen wir zunehmend um Raum. Während Überwachung, Ausgrenzung, Verdrängung und Privatisierung stattfinden, gilt es (Frei-)Räume zu schaffen und zu verteidigen. Wir schauen daher nicht tatenlos zu, sondern organisieren uns und greifen an.
So haben wir uns nicht lumpen lassen und in der Nacht vom 31. Juli auf den 01. August 2020 in Karlsruhe big. gezündelt, also drei Fahrzeuge der Big Security mit Grillanzünder angesteckt. Ein paar Nächte später sind wir nochmal losgezogen und haben zwei Jaguars, die vor einem Autohaus in selbiger Stadt schliefen, vernichtet. All dies, um unserer Wut über die geplante Räumung unserer Gefährt*innen aus dem anarcha-queer-feministischen Hausprojekt Liebig34 in Berlin feurigen Ausdruck zu verleihen und noch mehr Sachschaden zu produzieren. Ein Angriff auf unsere Projekte bleibt nicht folgenlos und wir haben darauf eine klare Antwort: Militanter Widerstand!

Everyday we have to fight for our place in the cities and towns. While surveilence, discrimination, eviction and privatisation are taking place we need to build as well as defend our own structures and autonomous spaces. We won‘t stand by while they are attacking us. but organize and fight back!
That‘s why we decided to burn down three cars of a security company in Karlsruhe on Juli 31st. After a few days we struck again and hit two jaguars in the same city to show them our hate and anger. By that we mean to express our grief and anger towards the planned eviction of the anarcha queer feminist project Liebig 34 in Berlin and do as much damage as possible. No attack on us stays unnoticed or unanswered. Our answer: Militant Resistance!

Während letztes Wochenende mehrere tausend Menschen gegen Verdrängung und die angekündigten und drohenden Räumungen der linken Projekte Syndikat, Meuterei, Potse, Rigaer94 und Liebig34 bei einer Großdemo der Interkiezionalen, sowie bei Kleingruppenaktionen, wütend die Straßen (un)sicher gemacht haben, haben wir in Karlsruhe, der sogenannten „Residenz des Rechts“, unseren Teil zu diesem Protest und Widerstand beigetragen und senden solidarische Grüße. Insbesondere denken wir dabei auch an das Syndikat, welches am 7. August seinen Räumungstermin hat. Mit unseren Aktionen schließen wir uns dem Konzept an, schon vor der Räumung möglichst hohen Sachschaden zu verursachen. Darum haben wir uns auch zwei Luxuskarrossen ausgesucht.
Freiräume sind wichtig und notwendig und momentan sind viele davon (nicht nur in Berlin) akut bedroht. Unterstützt die Kampange der Interkiezionalen (:https://interkiezionale.noblogs.org/), zeigt euch solidarisch und lasst uns gemeinsam für den Erhalt dieser Orte kämpfen!

Sicherheitsdienste
Für die Sicherung des Konzeptes Stadt und damit auch für die Sicherung von Interessen wie Aufwertung von Stadtvierteln, das Anlocken von Investor*innen usw. und die damit einhergehende Verdrängung, sowie wer an verschieden Orten erwünscht ist und wer eben nicht, sind verschiedene Akteur*innen verantwortlich. Neben vielen anderen sind das Polizei, Ordnungsamt, Justiz und auch private Sicherheitsfirmen. Letztere sind diejenigen, die Ausschluss und Eigentum durchsetzen.
Securities stellen sicher, dass alles im gesellschaftlichen und wirtschaftlichen System möglichst reibungslos abläuft. Dabei sind sie und ihre für den Ablauf notwendigen Dienstleistungen, wie Geld- und Warentransport oder Schutz von Infrastruktur, häufig nicht so sichtbar im Funktionieren von Unternehmen, obwohl sie genauso dazugehören und von den Machenschaften eben dieser Unternehmen selber stark profitieren.
Securities sind die Menschen, die den aktiven Teil der Ausgrenzung und Diskriminierung von Menschen übernehmen. Sie führen aus, was ihnen aufgetragen wird und beteiligen sich somit an rassistischen und sexistischen Diskriminierungsmustern, die tief in der Gesellschaft verankert sind.
Auch die sogenannten Landeserstaufnahmestellen LEA, in denen die rassistische und menschenfeindliche Asylpolitik der EU und Deutschland umgesetzt werden, könnten ohne die Hilfe von Sicherheitsunternehmen wie Securitas oder auch big nicht umgesetzt werden.
Auch bei Räumungen und Schikanierungen unserer Projekte machen sich immer wieder Sicherheitsfirmen durch ihre eifrige Unterstützung auf sich aufmerksam, so zum Beispiel auch kürzlich wieder in der Rigaer94 in Berlin (https://rigaer94.squat.net/). Doch dieser Angriff bleibt nicht ohne Antwort Sicherheitsfirmen tragen aktiv dazu bei, dass die Welt so unerträglich scheiße ist, wie sie im Moment ist. Sie verteidigen und bestärken diese Verhältnisse!

Big. Big solutions, big problems, big fire!
Aus all diesen Gründen haben wir beschlossen mit der big.bechthold-Gruppe eine*n Player aus der Region anzugreifen. Es gibt kaum Bereiche in Sachen Hausverwaltung, Ingenieurswesen und Sicherheit, in denen big nicht aktiv ist. Laut eigener Aussage schützen sie „Personen, Gebäude und den guten Stil“. Sie vermieten Arbeitskraft von der Empfangsperson über Hausmeister*innen bis zu Chauffeur*innen und führen auch Kontrollen im Nahverkehr durch. Zu ihren Dienstleistungen gehören auch der Objekt- und Personenschutz, der Einsatz von Ladendetektiv*innen, sowie Transport von Geld, Wertsachen und Datenträgern. Big stellt auch Sicherheits- und Kommunikationstechnologie zur Verfügung. Im Endeffekt bieten sie also ein Rundum-Sorglos-Paket für alle Immobilienspekulant*innen und solche, die es gern werden wollen.
Big hat den Hauptsitz hier in Karlsruhe, ist aber deutschlandweit und auch international in vier europäischen Ländern vertreten. Die schwarzen Autos in verschiedenen Größen mit dem roten Big Logo sind ständig und überall in der Stadt anzutreffen. Außerdem scheinen sie auch in der LEA in Karlsruhe als Securities aktiv zu sein (http://4sy6ebszykvcv2n6.onion/node/26422). Darüber schreiben sie jedoch nichts. Stattdessen prahlen sie mit Partner*innenschaften mit der Ölraffinerie in Karlsruhe, verschiedenen Flughäfen und der Karlsruher Messe.
Sie tragen zur Aufrechterhaltung und Stärkung von Armut, der Einschränkung der Mobilität und zum Erhalt des Systems Knast bei.

Sicherheit in Frage stellen
Wir befinden uns seit Jahren in einer konstruierten Bedrohungslage, in der uns das Gefühl vermittelt wird, dass wir bei uns zu Hause, auf der Straße, in der Bahn etc. ständig einer Gefahr ausgesetzt sind. Als Gefährder*innen werden insbesondere ausländische Männer und Geflüchtete instrumentalisiert. Der Staat nutzt dieses Märchen um schärfere Einwanderungs-, Polizei- und Überwachungsgesetze zu verabschieden, die AfD zum Wahlkampf und Securities eben zur Anwerbung von Kund*innen.
Wir wollen nicht in Frage stellen, dass Menschen, beispielsweise BIPoC oder FLINT-Personen in ihrem Alltag Gefahren ausgesetzt sind und sich im öffentlichen (sowie privaten) Raum oft nur schwer „sicher“ fühlen können. Doch die Ausweitung von Überwachung und Kontrolle im öffentlichen, sowie privaten Raum unter dem Slogan für mehr Sicherheit nützt nur der Durchsetzung und Verstärkung der bestehenden Herrschaftsverhältnisse. Oder ist die Kontrolle von Fahrkarten in der Bahn wirklich deinem Sicherheitsempfinden zuträglich?
Statt es Menschen zu ermöglichen, sich sicher zu fühlen, wird ihnen durch den aktuellen Sicherheitsdiskurs und dessen Umsetzung der Zugang zu Selbstbestimmung, Mobilität und Gemeinschaft verwehrt. Andere entscheiden über dein Wohlbefinden hinweg, wo du wie hin darfst, wie du dich zu bewegen und zu verhalten hast, um zugelassen zu werden.
Diese Sicherheitspolitik richtet sich vor allem gegen die Menschen, die tatsächlich von Diskriminierung betroffen und damit schutzbedürftig sind.
Dass Staat und Securities nicht für die Menschen da sind, die eigentlich Schutz bräuchten, um in dieser sexistischen, rassistischen etc. Gesellschaft angemessen leben zu können, ist nicht verwunderlich. Wer blind und gehorsam dem Geld hinterherläuft, dem kann es nicht um das Wohl von Menschen gehen. Eins ist jedenfalls sicher: Polizei und Securities bringen vor allem reichen weißen Männern Sicherheit, für alle anderen sind sie eine Gefahr. Diese Machtausübung wollen wir ihnen nicht kampflos überlassen. Wir wollen gemeinsam entscheiden, wie wir zusammen nach welchen Regeln leben und das nicht Staat und Wirtschaft überlassen.

Sicherheit – nur mit uns!
Sicherheit kann nicht durch (noch mehr) bewaffnete Securities und Polizei erreicht werden. Echte Sicherheit kann es nur in auf Vertrauen gebauten Freundschaften und Netzwerken geben, durch Zuverlässigkeit und Verständnis gefestigt und durch klare Absprachen anwendbar gemacht werden, sie kann nicht durch Gewalt erzwungen werden. Solidarität, Gemeinschaft, ein kritischer Umgang mit den eigenen Privilegien und Empathie sind die Grundbausteine, auf der sie steht. Diese andere Form von Sicherheit bietet uns den Entscheidungsfreiraum und die Selbstbestimmung, sie hilft uns gegen Zwänge wie Geldnot, Belästigungen und Naziangriffe einzustehen und unterstützt zu werden. So gibt es mir Sicherheit, die Entscheidungsmacht über meinen eigenen Körper zu haben, genauso wie, dass die bestehenden Herrschaftsverhältnisse offen und ehrlich von den Menschen an privilegierter Stelle angegangen werden und erlernte gewaltvolle Verhaltens- und Denkmuster individuell und kollektiv abgebaut werden.

Feminismus und Militanz
Nun stehen wir hier – als feministische Kampftruppe mit unseren Feuerzeugen in der geballten Faust. In unserer Organisierung und Wahl unserer Ziele sehen wir für uns insbesondere Feminismus als Ansatz, um gegen bestehende Herrschaftsverhältnisse im Kleinen und Großen zu rebellieren. Es braucht einen militanten Feminismus, um einer befreiten Gesellschaft wirklich näher zu kommen, um wirklich Gerechtigkeit zu schaffen und um uns selber als Utopist*innen und Kämpfende zu hinterfragen und verbessern.
Militanz ist (gelinde gesagt) angebracht, denn die Unterdrückung von FLINT-Personen im Patriarchat ist keine neue Modeerscheinung, sondern seit Jahrtausenden fester Bestandteil von den Lebensrealitäten von FLINT-Personen. Dieses ständige Unterdrückt werden – mag es untergründig oder sehr offensichtlich passieren – ist dabei kein Nebenphänomen eines kapitalistischen Systems oder eine vage Theorie, sondern heißt im Klartext regelmäßige Traumata, wie Einschränkungen Ohnmacht und Verletzungen bis hin zu Feminiziden. Für diese alltägliche Kackscheiße Rache zu fordern, ist nicht nur legitim, sondern heißt auch selber aus der Unterdrückung auszusteigen und gemeinschaftlich organisiert dem Patriarchat den Kampf anzusagen.
Die direkte, militante Aktion hilft uns, den Kampf aus Diskussionen direkt zu den Akteuren des Patriarchats zu tragen. Sie ermöglicht uns Selbstermächtigung, weil wir unsere Kämpfe selber führen. Sie gibt uns Selbstbestätigung und die Möglichkeit zur Handlungsfähigkeit, sowie uns zu verteidigen und zu kämpfen. Sie zwingt die Profiteure des Patriarchats in die Öffentlichkeit, jeder unserer Angriffe macht sie sichtbar und verwundbar. Zahlreiche Menschen haben dies bereits getan: Schwarze Frauen im Kampf gegen die Sklaverei, die mujeres libres im Spanischen Bürgerkrieg, jüdische und nicht-jüdische Partisan*innen im 2. Weltkrieg, Widerstandskämpfer*innen gegen die Nazis, die Kämpfer*innen der YPJ – nur um einige zu nennen. Militanter Feminismus war, ist und muss die Grundvoraussetzung für eine ernstzunehmende Anarchistische Bewegung sein! Militanter Feminismus heißt für eine*n selber die eigene (Handlungs-)Macht zu erkennen und zu ergreifen! Militanz ist unser Widerspruch zu zugewiesenen Rollenbildern und Verhaltensweisen! Feminismus in die Offensive!

Gruß und Kuss,
eine Feministische Autonome Zelle

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