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geistige Gefährdungen

[gG:] (le) Rückblick auf die Soziale Kampfbaustelle

Hinter uns liegt ein aufregendes Wochenende. Wir als Soziale Kampfbaustelle wollen die kommenden Zeilen nutzen, um ein paar Gedanken zu teilen, die die Geschehnisse um das zurückliegende Wochenende dokumentieren.

Rückblick

Die Soziale Kampfbaustelle fand von 04. bis zum 06. September statt. Unser Anliegen war es an diesem Wochenende ein sozialer wie politischer Austausch untereinander. Bei den veranstalteten Vorträgen und Diskussionsrunden konnte diskutiert, gestritten und gelernt werden. Ein gemeinsames Miteinander konnte bei leckerem Essen, kühlen Getränken und dem ein oder anderen Cocktail gepflegt werden. Es freut uns sehr, dass so viele Menschen trotz des miserablen Wetters den Weg nach Connewitz gefunden haben, und sich gemeinsam ausgetauscht, vernetzt und kennengelernt haben.

Überraschenderweise wurde am Freitag Nachmittag die B34, ein Mehrfamilienhaus in der Bornaischenstraße 34 in Leipzig-Connewitz besetzt. Bereits wenige Minuten nach dem Betreten des Hauses durch die Besetzer*innen rückten die Bullen an und bauten sich demonstrativ mit mehreren Wannen vor dem Haus auf. Noch während sich Menschen im Haus befanden, verschafften sich die Bullen zutritt durch den Hof des Nachbarhauses, und versperrten dessen Eingangstür. In Folge dessen wurden 4 Besetzer*innen einer ED-Behandlung unterzogen. Währenddessen fanden sich immer mehr solidarische Menschen vor dem Haus ein, und machten den Bullen klar, dass sie hier nicht willkommen sind. Die Nachricht über eine weitere Besetzung verbreitete sich, trotz fehlender Öffentlichkeit und direktem Intervenieren der Bullen sehr rasch. Die B34 erhielt viel Zuspruch und zahlreiche Solidaritätsbekundungen. Auch Anwohner*innen in der unmittelbaren Nähe des Hauses zeigten sich solidarisch und verurteilten das massive Aufgebot der Bullen. Wir solidarisieren uns mit der B34, und haben deswegen auch unseren Zeitplan dem entsprechend spontan angepasst.

Zeitgleich kursierte ein Aufruf für eine Spontandemonstration am selben Tag als Antwort auf die Räumung der B34. Ohne dass viel mobilisiert wurde, fanden sich am Abend knapp 300 Menschen im Herderpark zusammen, um ihre Wut über die Räumung auf die Straße zu tragen. Die Sponti war kraftvoll und dynamisch und machte klar, dass man den Wunsch nach kollektiven Freiräumen nicht durch eine Räumung brechen kann.
Bereits am Abend zuvor kam es auch im Leipziger Osten zu einer wütenden, unangemeldeten Demo in Solidarität mit der Luwi71, welche am Mittwoch ebenfalls durch die Bullen geräumt wurde. Dass die Besetzung der B34 kurz nach der Räumung der Luwi71 erfolgte, freut uns sehr. Es zeigt des weiteren, dass Besetzungen nicht nur im “Szenekiez” Connewitz verteidigt und erkämpft werden können.

Wir waren sehr erfreut über diese zwei Besetzungen kurz nacheinander – zum einen weil wir sie politisch befürworten und für notwendig halten, zum anderen weil wir durch unsere Veranstaltungen inhaltlich anknüpfen konnten. Zum Beispiel mit dem Vortrag des bedrohten anarcha-feministischen Hausprojektes “Liebig 34” in Berlin. Er war, wie fast alle anderen Vorträge auch, sehr gut besucht.

Wie weiter?

Dass Medienecho auf das Wochende war riesig. Zu lesen ist von “Krawall” und “randalierenden Chaoten”. Ein ganzes Viertel wird unter Generelverdacht gestellt, und die politischen Motivationen und Inhalte wurden negiert. Dass es aber keine keine stumpfe “Krawalllust” war, die die Menschen an drei aufeinander Folgenden Abenden auf die Straße getrieben hat, sondern der Zorn auf das Geschehene und die herrschenden Verhältnisse, wird nicht ansatzweise thematisiert. Im Zentrum der Debatte stehen wieder einmal nur die Angriffe auf die Bullen und der Einsatz von Pyrotechnik statt die seit Jahren stattfindende Verdrängung der hier lebenden Bevölkerung. Während Wohnhäuser leerstehen, und darauf warten, luxussaniert zu werden, müssen andere Menschen ihren Wohnort verlassen, weil sie sich ihre Miete nicht mehr leisten können. Dieser gesellschaftliche Missstand ist nur einer von vielen Indikatoren, die und zeigen, dass kapitalistische Wirtschaften den Bedürfnissen der Menschen niemals entgegen kommen werden.

Auch wenn die Besetzungen der B34 und der Luwi71 nicht gehalten werden konnten, sind wir sehr erfreut über die Reaktionen der vielen solidarischen Menschen in Leipzig und anderswo, die ihre Wut drei Tage in Folge zur Schau gestellt haben. Das Vorgehen der Bullen zeigt uns außerdem ein weiteres Mal, auf welcher Seite der Staat und seine ausführenden Organe in den sozialen Konflikten steht.
Des weiteren sind wir sehr glücklich darüber, wie gut unser Konzept des Wochendes an- und wahrgenommen wurde. Das gibt uns Kraft und Hoffnung, weiter zu machen.

In Solidarität mit der B34, der Luwi71,L34 & R94 in Berlin und allen anderen bedrohten Freiräumen!

Unser Wunsch nach Freiheit lässt sich nicht brechen!

PS: Am 9. Oktober soll die Liebig 34 geräumt werden. Mehr dazu: http://liebig34.blogsport.de/

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