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geistige Gefährdungen

[gG:] Waren die Covid19-Lockdowns überflüssig, wirkungslos oder gar kontraproduktiv

Am 11. Oktober 2020 wurde hier um 01:24 Uhr in einem Kommentar – in Bezug auf die Maßnahmen zur Eindämmung der Covid19-Pandemie – behauptet: „die These, dass gerade die Maßnahmen helfen,“ sei „nicht haltbar“. „Im Gegenteil, vielmehr die Maßnahmen selbst“ hätten „zu höheren Sterblichkeit bei(ge)tr(a)gen.“ Zur Begründung wird auf einen Artikel auf der Webseite medium.com verlinkt.

Dort heißt es: „these increases (of mortality) did not begin before the lockdowns were imposed, but after.“ Gestützt wird diese Aussage auf Graphiken aus der Financial Times zur sog. Übersterblichkeit (also der Zahl der Todesfälle in diesem Jahr, verglichen mit den Zahlen der Vorjahren), in die zusätzlich der Beginn des jeweiligen Lockdowns eingetragen wurden.

Inzwischen wurden der Kommentar und der Artikel, auf den er sich bezog, gesperrt (was ich nicht bedauere). Da der Kommentar aber einige Tage online war und vermutlich auch gelesen wurde, lohnt es sich vielleicht dennoch dem Kommentar und dem dort verlinkten medium.com-Artikel nachträglich zu widersprechen.

1. Es ist völlig logisch, dass die Todesfall-Zahlen (noch) nach Lockdown-Beginn stiegen

a) … Das Virus wirkt bekanntlich – anders als bspw. ein Schuss ins Herz – nicht Knall auf Fall tödlich, sondern: Leute infizieren sich; es dauert einige Tage bis ggf. Symptome auftreten; es dauert weitere Zeit, bis die Symptome ggf. so schlimm werden, dass Leute ins Krankenhaus müssen. Dort ringen die Betroffenen und das Krankenhauspersonal mit dem Tod – und ganz am Ende sterben rund 3 % der statistisch erfassten Infizierten.

Folglich ist völlig klar: Auch nach einem Lockdown wirken die hohen Infektionszahlen von vor dem Lockdown in Form hoher Todeszahlen nach. Diejenigen, die am Tag des Lockdowns bereits infiziert sind, gehen erst – nach evtl. Testung – mit einigen Tagen Verspätung in die Statistik ein und sterben ggf. noch später.

Die ‚surprise‘ (Überraschung), die der medium.com-Autor meint, ausfindig gemacht zu haben, ist also gar keine.

b)* Nun mag der Autor einwenden: Die Übersterblichkeit hätte ja trotzdem schon vor den Lockdowns gegeben sein können und wäre diesenfalls danach nur nicht gleich gesunken.
Diese Überlegung geht aber daran vorbei, dass das Ziel eines Lockdowns ja nicht erst sein sollte, eine bereits eingetretene Übersterblichkeit wieder zu senken, sondern das Ziel sein sollte, die Übersterblichkeit zu vermeiden.
Dass es trotz der Lockdowns zu Übersterblichkeit kam, zeigt also nicht, dass diese nutzlos oder gar kontraproduktiv waren, sondern dass die Regierungen zu lange gezögert hatten (die Regierungen waren ja – aus naheliegenden wirtschaftlichen Erwägungen – keinesfalls scharf darauf, Lockdowns zu verfügen).
Mit anderen Worten:
• Ein rechtzeitiger Lockdown verhindert, dass es überhaupt zu Übersterblichkeit kommt. Er muss bereits einige Zeit vor dem Eintritt der Übersterblichkeitkeit, zu der es anderenfalls kommen würde, verfügt werden.
• Ein Lockdown, der zu spät – aber nicht sehr zu spät – erfolgt, führt dazu, dass die Übersterblichkeit erst nach Lockdown-Verfügung beginnt, aber bald danach sinkt – heißt also, dass ein Teil des Schadens, der verhindert werden soll, – mangels Rechtzeitigkeit der Abhilfe – in Kauf genommen wird.
• Nur ein Lockdown, der
sehr zu spät* erfolgt, würde den statistischen Befund bedeuten, den der medium.com-Autor vermisst: dass die Übersterblichkeit, sogar schon vor dem Lockdown bestand – aber auch dann würde sich der positive Effekt des Lockdowns zwangsläufig (s.o.: Zeitspanne von der Infektion bis zum Tod) erst mit einer gewissen Verzögerung bemerkbar machen.

c) In medium.com-Artikel heißt es: „Moreover, in almost every case, they (increases of mortality) began immediately after.“ Auch das beweist nicht, was beweisen soll – nämlich, dass die Lockdowns die Ursache der Todesfälle seien. Vielmehr beweist es das gerade Gesagte: Die Lockdowns wurden nicht so rechtzeitig verfügt, dass sie eine Übersterblichkeit noch vollständig hätte vermeiden können, sondern auf den allerletzten Drücker – als die Virusverbreitung bereits so sehr zur außer Kontrolle geraten war, dass bereits absehbar war, dass es nicht bei ein paar statistisch unbedeutenden Todesfällen bleiben wird. Es war bereits absehbar, dass es zu Übersterblichkeit kommen wird – und es ging nur noch darum, deren Ausmaß zu begrenzen.

2. Die relative geringe Übersterblichkeit in der BRD beweist, dass nicht die Lockdowns, sondern das Virus die Ursache der Todesfälle war

a) Wenn nicht das Virus, sondern der Lockdown die Todesursache wäre, dann müsste es auch in der BRD eine hohe Übereinsterblichkeit geben (der vermeintlich tödliche Effekt des Lockdowns müsste überall ähnlich sein). Zur BRD enthält der verlinkte Artikel aber keine Graphik. Die Information lässt sich nachtragen – in der BRD war die Übersterblichkeit vergleichsweise gering: …

3. Auch in Ländern mit hoher Übersterblichkeit sanken die Neuinfektionsbestätigungen und Todesfall-Zahlen innerhalb der zu erwartenden Zeiträumen nach den Lookdown-Verfügungen

4. Schweden: Sanfte Präventionsmaßnahmen und – im nordeuropäischen Vergleich: sehr hohe; im europäischen Vergleich: überdurchschnittliche – Infektions-, Covid19-Todes- und Überstreblichkeitszahlen

Sehen wir uns nun zum Vergleich Schweden an, das nur sehr milde Präventionsmaßnahmen ergriffen hat.

Der Verzicht auf strenge Lockdown-Maßnahmen hat Schweden – auf‘s ganze bisherige Jahr gerechnet – eine Übersterblichkeit von 20 % beschert, während seine Nachbarstaaten Dänemark und Norwegen mit 4 bzw. 5 % (und die BRD mit 6 %) davonkamen; Island hat eine Übersterblichkeit sogar ganz vermeiden können …

5. Es ist nicht im geringsten ersichtlich (geschweige denn: dargelegt), wie (durch welches Ursache-Wirkungs-Verhältnis) die Lockdowns die Übersterblichkeit hätten verursachen können

Schließlich: Wer behauptet, nicht das Virus, sondern der Lockdown sei die Ursache der Übersterblichkeit, müsste in der Lage zu sein zu erklären, worin denn die tödliche Wirkung des Lockdowns liegen soll. Dazu wird aber in dem medium.com-Artikel nichts gesagt und dafür ist auch keine Erklärung ersichtlich. Vielmehr reduzierten die Lockdowns auch das Risiko von anderen Infektionskrankheiten sowie Verkehrs- und Arbeitsunfällen.

Vollständiger Artikel in der beigefügten .pdf-Datei.

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