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geistige Gefährdungen

[gG:] Die Webseite „Swiss Policy Research“

1.

Auf der Quell-Webseite https://swprs.org des hier am Sonntag geposteten Artikels „Are Face Masks Effective? The Evidence“ befindet sich z.B. auch ein Artikel mit der Überschrift „Migration und Medien“. Dort wird behauptet: „Worum geht es bei der Migration nach Europa, und warum wird sie von den etablierten Medien zumeist begrüßt, während ihre Ursachen und Folgen kaum kritisch hinterfragt werden? Es geht um Geoökonomie: Ab circa 2025 wird die Bevölkerung in den reichen Ländern erstmals seit der Industriellen Revolution insgesamt schrumpfen, … Um dies zu verhindern und zugleich mit Blick auf die Globalisierung die traditionellen, kleinräumig-nationalstaatlichen Strukturen zu überwinden, wurden Mechanismen zur raschen Aufnahme von mehreren Millionen Migranten insbesondere aus dem afrikanischen und arabischen Raum geschaffen.“ (https://web.archive.org/web/20201019124652/https://swprs.org/migration-und-medien/)

Die Realität des europäischen Grenzregimes und die zahlreichen Asylrechtseinschränkungen der vergangenen Jahre und Jahrzehnte finden keine Erwähnung.

2.

Außerdem wird sich auf der Webseite mit dem „Historiker Dr. Daniele Ganser“ solidarisiert („Anschlag auf die Forschungsfreiheit“ – https://web.archive.org/web/20201019035944/https://swprs.org/anschlag-auf-die-forschungsfreiheit/). Über Ganser heißt es in WoZ:

„Die meisten seiner Aussagen in ‚Illegale Kriege‘ sind mit ernsthaften Quellen belegt. Ganser spricht dabei durchaus wichtige Themen an: die systematische Verletzung von internationalem Recht durch die USA und andere Nato-Länder zum Beispiel. Sein Buch beginnt beim Sturz des iranischen Premierministers Mohammad Mossadegh durch Britannien und die USA 1953 und endet beim Syrienkrieg. Dazwischen widmet sich Ganser unter anderem den US-Interventionen in Kuba, Vietnam und Serbien. Es gelingt ihm, plausibel aufzuzeigen, dass die grossen Leitmedien teils tendenziös Nato-freundlich berichten. So weit, so nachvollziehbar. Doch hier beginnt das Problem (und vermutlich auch der kommerzielle Erfolg): Sehr viel Wahres wird gemischt mit steilen Thesen und Verschwörungsschrott. Mit seiner Unterteilung in böse «Nato-Medien» und gute «Alternativmedien» – die Sprache rechter VerschwörungstheoretikerInnen – vermittelt er im Buch ein zu simples Bild der Realität. Und gerade in vielen «Alternativmedien», auf die er sich bezieht, findet sich ein unterschwelliger Antisemitismus.
Manchmal gleitet Ganser in seinem aktuellen Orell-Füssli-Bestseller selbst ins Spekulative, Verschwörerungstheoretische ab. Ein Beispiel: Er schreibt, die USA hätten im Rahmen der Bilderberg-Konferenz bereits drei Jahre vor dem Kriegsausbruch in Syrien den Sturz von Baschar al-Assad gefordert. Und ausgerechnet hier, wo er mit den «Bilderbergern» das klassische Verschwörungstheoretikerstereotyp bedient, bleibt der Historiker jeden Beweis für seine Behauptung schuldig: Seine Quelle ist ein Artikel aus «Zeit-Fragen», einer Zeitschrift aus dem Umfeld der aufgelösten Psychosekte VPM, in dem Selbiges unbelegt einfach behauptet wird. Auf «Zeit-Fragen» als Quelle stützt sich Ganser im Buch mehrmals.
Weiter stellt Ganser die Echtheit der Enthauptungsvideos des sogenannten Islamischen Staats infrage. Dabei bezieht er sich wörtlich auf einen Text, der im September 2014 vom rechtsesoterischen deutschen Kopp-Verlag online publiziert wurde und antisemitische Stereotype bedient. Darin wird nicht nur behauptet, dass die Exekutionsvideos gefälscht worden seien, es wird auch gleich aufgezeigt, wer dafür verantwortlich sein soll: eine ehemalige Angehörige der israelischen Armee. … im Juli 2014 (trat er) an einer Konferenz der «Anti-Zensur-Koalition» des Appenzeller Sektengurus Ivo Sasek auf. Dort waren auch schon die Holocaustleugner Bernhard Schaub und Horst Mahler zu Gast. Vergangenen Oktober sprach er an einer Konferenz des Kopp-Verlags. Mehrfach kann man ihn zudem in Internettalks mit dem Geschichtsrevisionisten Michael Vogt sehen. Vogt glaubt, dass die Flüchtlingskrise von «langer Hand geplant» sei – mit dem Ziel der «Rassenvermischung».“ (https://www.woz.ch/-768a)

Die Angabe zu Mahler ist unter dem WoZ-Artikel korrigiert worden: „Im Artikel stand fälschlicherweise, dass an früheren Veranstaltungen der «Anti-Zensur-Koalition» der verurteilte Holocaustleugner Horst Mahler aufgetreten sei. Tatsächlich aufgetreten ist aber seine ehemalige Lebensgefährtin Sylvia Stolz, ebenfalls verurteilt wegen Leugnung des Holocaust.“

3.

Die Webseite selbst beschreibt sich wie folgt: „independent, nonpartisan and nonprofit research group investigating geopolitical propaganda in Swiss and international media“ (https://web.archive.org/web/20201019130027/https://swprs.org/contact/). Auf der Webseite befinden sich – neben je Menge dubiosem Zeug zu Covid19 – NATO- bzw. transatlantismus-kritische Artikel – für diese NATO-Kritik gilt Ähnliches wie von der WoZ oben zu Ganser zitiert: Nichts spricht gegen NATO-Kritik; aber es scheint sich auf der Webseite um eine NATO-Kritik ohne Kapitalismuskritik und ohne Imperalismus-Begriff zu handeln – diese Kritik scheint vielmehr im Sinne irgendeiner anderen „geopolitischen“ Option zu erfolgen.

„transatlantisch“ fungiert dabei als Schlagwort, um alles mögliche abzukanzeln: „Die Online-Enzyklopädie Wikipedia ist ein integraler Bestandteil des transatlantischen Medien- und Informationssystems.“ (https://web.archive.org/web/20201019131242/https://swprs.org/propaganda-in-der-wikipedia/) / „Das Online-Magazin ‚Republik‘ und die ‚WOZ‘ sind ebenfalls transatlantisch ausgerichtet.“ (https://web.archive.org/web/20201019131441/https://swprs.org/netzwerk-medien-schweiz/)

4.

Die Webseite wird – wie schon gesagt – als Webseite einer „research group“ dargestellt. Aber viele Artikel sind bloß irgendwelche Liste von – richtigen oder falschen – politischen Bewertung und – zutreffenden oder unzutreffenden – Tatsachenbehauptung, so z.B. der zuletzt zitierte Artikel. Dort heißt es z.B. auch: „Die Schweizer Nachrichtenagentur SDA gab ihren deutschsprachigen Auslandsdienst Anfang 2020 komplett an die deutsche Agentur DPA ab, die ihrerseits mit der amerikanischen AP kooperiert.“ – Das mag zutreffen oder nicht – aber welche wissenschaftliche Analyse ist damit geleistet?!

Artikel-Listen gibt es z.B. zu den Themen: „Die »Israel-Lobby«: Fakten und Mythen“ sowie „Geopolitik und Pädokriminalität“. Über die im erstgenanntem Artikel aufgelisteten Veröffentlichungen wird beteuert: „Diese Arbeiten vertreten keine anti-jüdischen Positionen.“ – Ob’s stimmt, habe ich nicht überprüft. Jedenfalls verlinken auch diese Listen bestenfalls journalistische, aber keine wissenschaftlichen Arbeiten – geschweige denn, dass eigene Forschungsergebnisse präsentiert würden.

5.

Die tagesschau berichtete im April:

„Das dänische Parlament habe ‚ein neues Gesetz erlassen, das die Publikation von Informationen zu Covid-19, die nicht den Vorgaben der Regierung entsprechen, verbietet und die Löschung von Internetseiten sowie die Bestrafung und Inhaftierung von Autoren ermöglicht‘. Das schreibt die Seite ‚Swiss Propaganda Research‘, die für sich reklamiert, über Propaganda aufzuklären. Sie bezieht sich auf eine schwedische Seite, die wiederum einen dänischen Ernährungsberater und Autor zitiert. Dieser Autor fragt in seinem Blog, ob der dänische Gesundheitsminister bei einem Treffen in den USA einer Pandemie-Gehirnwäsche ausgesetzt gewesen sei. Einer der Hintermänner des Treffens sei der ‚jüdische Superzionist‘ Michael Bloomberg gewesen. Zudem verdächtigt er eine ‚jüdische Terrororganisation‘, hinter einem Vergewaltigungsvorwurf gegen seine Person zu stehen. Außerdem verbreitet der Mann Verschwörungslegenden zu den Anschlägen vom 11. September 2001 und stellt diese nun in Verbindung mit einem angeblichen ‚Corona-Schwindel‘.“ (https://www.tagesschau.de/faktenfinder/daenemark-corona-105.html)

Ich haben den Artikel nicht finden und folglich auch nicht die Angaben der tagesschau zu den schwedischen und dänischen Bezugstexten nicht überprüfen können; der Bayerische Rundfunk berichtete aber seinerseits im Juni:

„Die angeblichen ‚Fakten zu Covid-19‘ auf SPR werden zudem laufend verändert und überschrieben. Dabei machen der oder die Autoren nicht transparent, welche Änderungen vorgenommen wurden oder weshalb. Dieses Vorgehen entspricht nicht Standards wissenschaftlichen oder journalistischen Arbeitens.“ (https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/faktenfuchs-wie-glaubwuerdig-ist-swiss-policy-research)

Daher erscheint nicht unwahrscheinlich, dass der fragliche Artikel oder die fragliche Passage nach dem tagesschau-Bericht einfach unter den Teppisch gekehrt wurde.

6.

Von den Kritikpunkten dem BR-Bericht muss nicht alles schlüssig gefunden werden, aber schlüssig ist auf alle Fälle:

  • Es „sei nicht nachvollziehbar, wie genau die Fragen untersucht wurden – also die wissenschaftliche Methode. Das schließe die Nachprüfbarkeit der Ergebnisse aus. Für Forscher sei so nicht ersichtlich, wie sie die Studien wiederholen könnten. “ Wiederholung von Untersuchungen ist aber ein wichtiges Mittel, um die Ergebnisse zu überprüfen (führt das beschriebene Vorgehen tatsächlich zum behaupteten Ergebnis?).

  • „‚In seriösen wissenschaftlichen Veröffentlichungen gibt es einen Theorieteil, in dem die Entwicklung des Forschungsstands und die Reichweite und Begrenzungen der eigenen Arbeit offengelegt werden‘, erklärt Emmer.“ – Daran fehlt es aber bei bloßen Listen, Klassifizierungen und Bewertungen.

Außerdem heißt es in dem BR-Bericht:

„Auf Detailfragen nach dem Vorgehen von SPR antwortete der anonyme Mail-Absender nicht. Die Vorwürfe der Unwissenschaftlichkeit wies er zurück – jedoch ohne darauf näher einzugehen.“

7.

Bei kompletter Durchsicht der Webseite und der verlinkten Texte ließe sich sicherlich noch mehr Kritikwürdiges finden; mir genügen allerdings diese Kritikpunkte schon, um nicht auf die genannte Webseite als Quelle zu setzen.

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