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geistige Gefährdungen

[gG:] (B) Cuvry Campus? Fuck Off! – Neubau und Objektstreife mit Farbe und Steinen beworfen – United we Fight

Jeder Ort schreibt seine eigene Geschichte, so auch die Cuvrybrache an der Schlesischen Straße. Diese war in den letzten 10 Jahren, wie nur wenige andere Orte in Kreuzberg geprägt von dem Konflikt, welcher die massive Aufwertung im Kiez mit sich brachte. Es ist eine Geschichte von Widerstand, Aneignung und Selbstbestimmung, aber auch von Repression und Verdrängung. Ein Ort, der einst allen gehörte und eine der letzten Brachen, wo der Zugang zur Spree nicht vom Inhalt des Geldbeutels oder der Zugehörigkeit zu einem exklusiven Kreis abhängig war. Ein Ort, der beginnend mit dem Media Spree – Projekt sinnbildlich für die Entwicklung Berlins zu einer Stadt der Reichen wurde.

Konnte noch 2012 das auf der Cuvrybrache geplante „BMW Guggenheim Lab“ durch Proteste der Anwohner*innen und der Androhung autonomer Steineschmeisser*innnen verhindert und in den Prenzlauer Berg geschickt werden, haben sich die Parameter städtischer Kämpfe mittlerweile stark verändert. Zu viel steht auf dem Spiel, als dass die Immobilienmafia und ihre Investor*innen aufgrund des Unmuts im Kiez noch von solch gewinnversprechendem Bauland absehen würden.

Ja, Kreuzberg hat sich verändert. In diesem Bezirk, der, einst von der Berliner Mauer umgeben, mal für Wildheit und unkonventionelle Lebensentwürfe stand aber vor allem ein migrantisches und proletarisches Viertel war, dominieren heute angesagte Bars, StartUps- und Coworking- Büros mitsamt einer Community, welche stetig nach den neusten Trends und dem großen Durchbruch geifern. AirBnB hat auch noch die letzten Ecken dem Massentourismus preisgegeben und mittlerweile erstreckt sich hier ein „Gefahrengebiet“ an das Andere. Polizeiliche Sonderzonen also, welche politisch legitimiert durch die Kriminalitätsstatistiken, große Teile des ehemaligen Postbezirkes SO36 in einen Ausnahmezustand versetzen und polizeilicher Willkür wie Racial Profiling Tür und Tor öffnen und einen rechtlichen Rahmen geben.

Es ist nicht weiter verwunderlich, dass in diesem Klima ein chaotisches Zeltlager von Menschen, die sich kein zu Hause leisten können oder wollen oder die notdürftig zusammengeschusterten Hütten von migrantischen Arbeiter*innen, die auf dem Wohnungsmarkt kaum Chancen haben, kein Platz mehr ist. Genauso wenig wie für illegale Bars mit unkommerziellem Kulturprogramm, welche einst so sehr den Charme dieser Stadt geprägt haben. Berlin verkommt zu einer Metropole, in der alles sauber geleckt und gleichgeschaltet zu sein hat. So setzte die warme Räumung durch ein Feuer 2014 der Besetzung der Cuvrybrache ein abruptes Ende und gleichzeitig den Grundstein für eine Bebauung im Sinne der Investor*innen.

Das heißt ein weiteres Bürogebäude, zugeschnitten für das Paralleluniversum des Hipster-Daseins. Hauptmieter soll der Essensauslieferdienst Lieferando werden. Damit hält ein Unternehmen Einzug, das seine Konkurrenz bereits geschluckt hat und vor Allem dafür bekannt ist, gewerkschaftliche Organisierung der Kurierfahrer*innen, welche zu unsäglichen Konditionen auf die Straße geschickt werden, mit Vehemenz zu bekämpfen. Darüber hinaus aber auch Teil eines Wirtschaftszweiges darstellt, der es versteht mit Hilfe neuer Technologien jegliche Bereiche des Lebens der Verwertung zuzuführen.

Eines ist klar, die Cuvrybrache liegt nun unter dem Neubau begraben und wird vorerst kein frei zugänglicher Ort mehr sein. Ein weiteres Stück unserer Geschichte wurde von der Marktlogik des Kapitalismus aufgefressen. Doch wir werden nicht klein beigeben. Mit jedem Kampf, den wir führen, erobern wir immer auch ein Stück Selbstbestimmung zurück. Und so bleibt uns wenigstens die Freude, ihre Betonklötze und Glaspaläste anzugreifen, um uns zu vergewissern, dass nichts auf ewig beständig ist. Deshalb haben wir uns in der Nacht auf den 31. Oktober zusammengetan und Fassade und Fenster des „Cuvry-Campus“ mit Farbflaschen und Steinen beworfen. Weil uns eine Objektschutzstreife in die Quere kam, konnten wir unser Werk leider nicht in Gänze zu Ende bringen. Ein gut platzierter Steinwurf auf ihre Frontscheibe konnte diese aber von der Verfolgung abhalten. Genauso die privaten Securitys, welche als Kettenhunde fürs Kapital dort ihren Dienst tun und scheinbar umgehend ihr Talent als Putzkräfte unter Beweis stellten, damit ja keine Spuren zurückbleiben, die eine Geschichte des Widerstands erzählen können.

Solidarität mit den geräumten Squats in Athen und Thessaloniki, mit der Liebig34 und den obdachlosen Besetzer*innen von der Habersaathstraße. Grüße an die Aktions- und Diskussionstage der Interkiezionale dieses Wochenende in Berlin.

Friede den Hütten – Krieg den Palästen!

United we Fight!

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