"Wieder ein Toter in der Untersuchungshaftanstalt Hamburg"


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von: "anonym", veröffentlicht am: 20-06-07

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Regionen: Hamburg

Themen: Antirassismus Militarismus Repression Soziale-Kämpfe Weltweit 03.06.20

Am Morgen des 03.06.20 wurde direkt zur Weckzeit, gegen 6:45, der Hausalarm ausgelöst und nach dem AvD, dem Arzt vom Dienst verlangt. Auf der Station B3, im Haupthaus der UHA Hamburg, hat sich ein Gefangener das Leben genommen.




Für die Gefangenen ist dies leider keine große Überraschung, denn es kommt immer wieder zu Selbstmorden und Versuche solcher. Die geschloßenen Stationen, auf denen die Gefangenen 23 Stunden in ihre Zelle gesperrt sind und eine Stunde Hofgang haben, unterstützen diese. Wer dort neu landet, noch keine Hafterfahrung hat, kein Deutsch spricht, nicht lesen und schreiben kann, oder einfach mit der harten Situation nicht zurecht kommt, ist dort auf sich selbst gestellt. Wer zuviel fragt, bekommt die Zellentür vor der Nase zugeschlagen. Dokumente, wie z.B. Anträge, sind grundsätzlich nur auf Deutsch. Wer kein Geld hat muss, um telefonieren zu können, Taschengeld beantragen, um dann wiederum einen Telio-Account zu beantragen, um dann, sollte das Geld irgendwann auf dem Haftkonto sein, dieses per Antrag auf das Telio-Konto zu überweisen. Dann muss mit einem weiteren Formular die Telefonnummer beantragt werden, die angerufen werden soll. Allerdings muss diese, falls sie nicht im Kopf ist, ja auch erstmal organisiert werden. Sollte die Person einen Haftstatus mit LKA-Überwachung haben muss wiederum ein Antrag gestellt werden, um einen Telefontermin von der Polizei zu bekommen, bei dem diese dann mithört. Ohne hilfsbereite Mitgefangene, die erklären, Anträge schreiben, übersetzen, wüssten die meisten Gefangenen auch nicht von der Möglichkeit mit Psycholog*innen oder Pastoren sprechen zu können. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass die ersten Wochen so gut wie kein Kontakt zu vertrauten Menschen außerhalb des Knastes möglich ist, der eine Hilfe wäre, die Notlage und Sorgen der Haft wenigstens zu teilen. Die Station B3, auf der der letzte Selbstmord passierte, ist weitaus nicht der schlimmste Ort in der UHA. Das dies selbst den Schließer*innen bewusst ist, bzw. es so gedacht ist und gegen die Gefangenen verwendet wird, ist spätestens dann deutlich, wenn sie mit anderen Stationen, z.B. mit dem Haus A, drohen. Es gibt faktisch keine andere Legitimation der geschlossenen Stationen, als sie als Druckmittel gegen die Gefangenen zu nutzen um sie zu brechen. Die Gefangenen unterscheiden sich nicht von denen auf anderen Stationen mit Aufschluss. Es wäre absolut möglich auch diese zu öffnen. Aber Knast bleibt Knast! Was dieser Ort mit Menschen macht, lässt sich deutlich erkennen, wenn Gefangene Abstumpfen, einen Selbstmord als Normalität hinter Gittern empfinden. Wie "fortschrittlich" ist eine Gesellschaft, die sich eines solchen Ortes als Instrument bedient? Was sollte einen freiheitsliebenden Menschen mit Herz dazu bewegen, ihre Justiz, ihre Ordnung und Autorität anzuerkennen, zu aktzeptieren?



Beileid für die, die den Menschen, dem der Knast am 03.06. das Leben genommen hat, vermissen werden.

Kraft und Freiheit für alle Gefangenen!


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