"[BOR] Rechter Aktivist bei der Polizei Bocholt"


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von: "RechercheKollektivMünsterland", veröffentlicht am: 20-06-20

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Themen: Antifa

Vor einigen Tagen verkündete die AfD im Kreis Borken, dass sie einen Bürgermeisterkandidaten in Bocholt aufstellt. Die Wahl fiel dabei auf Martin Myhre (Facebook-Profilfoto), Sprecher des kürzlich gegründeten AfD-Gemeindeverbands für Bocholt, Rhede und Isselburg und stellvertretender Sprecher des Kreisverbands Borken. Myhre ist darüber hinaus Oberkommissar in Bocholt. Warum ein rechter Aktivist wie er Teil der Polizeibehörde sein kann ist schleierhaft.






Innerhalb der AfD gehört Myhre dem völkisch-nationalistischen "Flügel"-Spektrum um Björn Höcke an. Er sitzt seit dem 22. Dezember des letzten Jahres als Beisitzer im AfD-Bezirksverband Münster, der laut dem Portal Münsterland Rechtsaußen gemeinsam mit dem BV Detmold als "feste Bastionen" des Flügels in NRW gelten. Der BV Münster wird seit Dezember angeführt von Steffen Christ, der in WhatsApp-Chats Nachrichten schrieb wie "Ohne einen Bürgerkrieg light wie bei Erdogan wird es nicht laufen". Auch bei den meisten anderen Vorstandsmitgliedern (Christian Blex, Jens Kellmann, ...) sind die Flügel-Sympathien offenkundig. Myhre passt dort also gut rein. Er selbst wurde auch für die Flügel-Bande in NRW tätig. So lud er Flügel-Anhänger_innen zu einem informellen Treffen am 20. August 2019 in Bottrop. Dort sollte sich auf Kandidat_innen für die Neuwahlen des AfD-Landesvorstands NRW beim Parteitag in Kalkar Anfang Oktober geeinigt werden. Als bloßer Mitläufer in dem "aufgelösten" Spektrum, das mittlerweile durch den Verfassungsschutz zum Prüffall erklärt wurde, kann Martin Myhre also nicht bezeichnet werden.


Auch abseits seiner Flügel-Aktivitäten ist Myhre eine mehr als fragliche Personalie. Beim Bezirksparteitag stimmten die Anwesenden noch für einen Antrag, in dem der Münsteraner AfD-Ratsherr und politische Gegner, Martin Schiller, aufgefordert wurde, seine Ämter niederzulegen. Begründet wurde dies unter anderem damit, dass Schiller im November für eine Körperverletzung verurteilt worden war. Im April 2018 war Schiller nämlich am Rande einer AfD-Veranstaltung gewaltsam gegen einen Gast des Veranstaltungsorts vorgegangen. Myhre selbst wurde zwar nicht gewalttätig, beteiligte sich aber Berichten zufolge im Oktober 2018 an Drohungen gegen eine Gruppe von Jusos, die an einer Veranstaltung des AfD-Kreisverbands Borken teilnahmen und kritische Fragen stellten. Ein Mitglied der Jugendorganisation soll dann auch aus dem Saal geworfen worden sein. Als Hauptakteur auf AfD-Seite wird Myhre ausgemacht.


Es wird noch unangenehmer: Bereits 2016 wurde auf der Facebook-Seite "Gegen die Alternative für Deutschland" ein Bericht veröffentlicht, in dem auf zahlreiche Facebook-Freund_innen des Oberkommissars aufmerksam gemacht wird, die eindeutig der extremen Rechten zugeordnet werden könnten. Auf seinem Profil in dem sozialen Netzwerk gefällt ihm außerdem die Seite "Die lustigen Zillertaler", die Neugründung der Neonazi-Band "Zillertaler Türkenjäger". Die beiden veröffentlichten Alben von 1997 und 2009 landeten auf dem Index. Schon die Verbreitung oder Bewerbung des ersten Albums steht unter Strafe. Grund dafür sind neben den zutiefst rassistischen und antisemitischen Texten auch die Mordaufrufe in diversen Liedern.


Dass die AfD mit Martin Myhre einen augenscheinlichen RechtsRock-Fan mit diversen Funktionärsposten ausstattet und als Bürgermeisterkandidaten ins Rennen schickt lässt bereits mehr als tief blicken. Dass eine Polizeibehörde mit den Aktivitäten bislang keine Probleme zu haben scheint mag als weiteres Indiz dafür herhalten dass wir es dort mit einem strukturellen Problem zu tun haben, das über bloße Einzelfälle hinausgeht. Ob AfD oder Polizei Konsequenzen ziehen, wird sich zeigen. Fest steht jedenfalls, dass antifaschistische Recherche auch im Kreis Borken notwendig bleibt und Gegenwehr gegen den kommenden Kommunalwahlkampf der AfD erst recht.


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