"Connewitz: „Baut euren eigenen Stadtteil auf!“"


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von: "anonym", veröffentlicht am: 20-06-28

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Themen: Antifa Antirassismus Freiräume Repression Soziale-Kämpfe Leipzig---Connewitz

In Connewitz gibt es eine Baustelle, das Wetter lädt zum verweilen auf den Straßen ein und jenes Treiben auf den Straßen führt zu Konflikten. Ein Teil dieser Auseinandersetzungen soll hiermit aufgeschrieben werden. Für alle, die noch wirklich daran glauben, dass mit inhaltlichen Diskussionen die Konflikte geklärt werden könnten. Für alle anderen: „manchmal helfen Schellen“.




Baut euren eigenen Stadtteil auf“

Eine häufig vorgebrachte Aussage, gegen angeblich „Zugezogene“, die angeblich „Ärger“ machen und gar nicht in Connewitz wohnen sollen. Geschichte zum Stadtteil: -

Einige behaupten immer wieder, sie hätten irgendwie diesen „Stadtteil“ aufgebaut und daher meinen sie entscheiden zu dürfen, was passieren darf und was nicht. Dies ist an vielen Punkten falsch. Nicht nur, dass es auch die anderen Stimmen aus den 90er Jahren gibt, die es völlig anders sehen und keinerlei Problem damit haben, wenn es mal wieder lauter ist, ein Feuer brennt oder es ein Feuerwerk gibt. Die auch nicht vergessen haben, was die „jungen Leute“ (sie selbst) so vor über 20 Jahren alles an (Blödsinn) angestellt haben. Was ist das überhaupt für ein Argument?

Nur weil jemand meint vor über 20 Jahren mal etwas getan zu haben für den Stadtteil, heute entscheiden zu können, was für ihn oder sie heute geht oder nicht. Interessanterweise wird dieses Argument von jenen gerne vor getragen, die heute nichts mehr machen außer irgendetwas zu konsumieren. Es ist auch irrelevant vor über 20 Jahre mal einen Nazi umgehauen zu haben, wenn die entsprechende Person heute ein sexistisches, rassistisches, antisemitisches Arschloch ist (vielleicht auch schon immer war).

Wie viele Jahre muss in Connewitz gelebt werden bis Menschen auf einer Baustelle ein Feuer machen dürfen? Welche „Leistungen“ müssen für den Stadtteil erbracht werden, damit die angeblichen „Alteingesessenen“ zu frieden sind? Oder müssen die Menschen im Krankenhaus im Stadtteil geboren worden sein und haben dann „Geburtsrechte“?

Es sind im übrigen ähnliche Aussagen, die sich Antifaschist*innen und Antirassist*innen überall in Leipzig bei den „Bürgerinnenversammlungen“ über die Unterbringung von Geflüchteten anhören durften: „Seid ihr überhaupt aus Schönefeld?“ (Grünau, Wahren...) Wenn die Frage nicht mit „ja“ beantwortet wurde, dann sollten die „Linken“ die Rassist*innen nicht bei ihrer Hetze stören und die Veranstaltung verlassen. Natürlich fand sich von jenen, die in Connewitz jetzt auf angebliche „Stadtteilerbauer*innen“ machen, niemand bei antirassistischen oder antifaschistischen Aktionen der letzten Jahre ein. Kurzum, niemand der im Jahr 2020 irgendwas in Connewitz macht muss 1991 in irgendeinem Projekt gehaust haben. Wer was machen möchten, ob hier geboren, „zugezogen“ oder nicht, kann und soll das tun. Irgendwann mal etwas „Gutes“ getan zu haben, befreit einen Menschen nicht davor mit seinem scheiß Verhalten heute konfrontiert zu werden. Dies richtet sich besonders an die sexistischen und frauenfeindlichen Typen in Connewitz.

Macht doch woanders Krawall, geht doch nach...“

Die „Super-Aktivist*innen/Autonomen/Connewitzer*innen“ der 90er oder auch der heutigen Zeit mit ihren „Ratschlägen“ wo das nächste Feuer oder Feuerwerk viel besser aufgehoben wäre, ihr dürft gerne mit gutem Beispiel voran gehen. Solange könnt ihr es vielleicht den Menschen dann einfach selbst überlassen, wo sie meinen angeblich „Krawall“ machen zu wollen.

Dabei wird auch unterschlagen, dass es eben auch der Lärm und der „Krawall“ auf den entsprechenden Straßen ist und war, der über viele Jahre die Mieten unten gehalten hat, weil Wohnungen an besonders lauten und dreckigen Ecken nicht beliebt waren und bestimmte Klientel nicht nach Connewitz gezogen sind. Hier einiges der wenigen sinnvollen Kritikpunkte an so genannten „Zugezogenen“, die Mieten über die ortsüblichen Preise akzeptiert haben und nicht dagegen vorgegangen sind und sich nicht mit ihrer Nachbar*innenschaft auseinandergesetzt haben.

„Ich hab nichts gegen brennende Mülltonnen, aber bitte nicht in meiner Straße“ könnt ihr euch also solange verkneifen, bis ihr mal etwas außer trinken an der Ecke auf die Reihe bekommen habt. Und natürlich ist das anzünden von Mülltonnen an Wohnhäusern zu verurteilen, niemand verteidigt das. Die Fälle in den vergangenen Jahren sind aber wohl eher besoffenen Menschen oder auf andere zurück zu führen und nicht in einem Topf zu werfen mit jenen, die ein Feuer auf einer Baustelle und in Mitten einer Straße veranstalten.

Ihr gefährdet durch euer Verhalten Projekte und sorgt für staatliche Repression! - Ihr holt die Bullen ins Viertel!“

Nach 30 Jahren immer noch nicht verstanden, dass die Schuld für die Repression nicht bei den Menschen, sondern beim Staat zu suchen ist. Es gibt keinen Menschen in dieser Gesellschaft, der nicht jeden Tag gegen irgendwelche „Gesetze“ oder Regeln verstößt, schon alleine weil es unmöglich ist alle zu kennen. Die Behörden haben also immer die Möglichkeit gegen Läden und Projekte vor zu gehen, weil irgendetwas lässt sich immer finden.

Connewitz wird seit 30 Jahren mit Repression überzogen und es ist völlig egal, ob die Menschen „wirklich etwas gemacht haben“ oder eben nicht. Was diesen Stadtteil besonders gemacht hat war die Solidarität untereinander, also dieser Repression und den Schikanen etwas gemeinsam entgegen zu setzen. Also der Punkt erreicht wurde, wo Behörden den weiteren Konflikt mit den Bewohner*innen an bestimmt Stellen angefangen haben zu vermeiden, weil sie sich sicher sein konnten, dass dies nicht einfach hingenommen wird.

Die Gefährdung von Projekten, Kneipen, Häusern besteht daher in den Entsolidarisierung mit Betroffenen staatlichen Repression. Wenn ihr die Haustüren und die Wege in eure Räumlichkeiten versperrt und nicht mehr für die Menschen da seid, dann gefährdet ihr eure Projekte, weil ihr die Solidarität aufgegeben habt.

Warum sollten die Menschen noch für euch da sein, wenn ihr in Auseinandersetzung mit Behörden und Bullen verwickelt werdet und selbst andere nicht mehr unterstützt und der Repression überlasst? Viele bedienen sich des „alternativen/politischen Image“ damit die Menschen zum konsumieren vorbei kommen, aber wenn es dann darum geht den Menschen zu helfen wird die Tür versperrt oder die Leute raus geworfen.

Nein, wichtige politische und inhaltliche Impulse gehen schon lange nicht mehr von Orten aus der Stö, dem Zoro, dem Conne Island, dem Werk II…usw. aus. Dies ist ein bundesweites Phänomen, was auch in Berlin, Hamburg oder auch in NRW und vielen weiteren Orten beobachtet werden kann. Die meisten (Kultur)-Projekte, Häuser, Autonome Zentren... sind für eine politische Bewegung, aber auch für die Bewohner*innen im Stadtteil völlig irrelevant geworden. Sie sind bestenfalls noch Räume des Konsums, die irgendwie am leben gehalten werden. Nach 30 Jahren oder mehr, stellt sich bei einigen diese Orte wirklich die Frage, ob sie wirklich vermisst werden würden (von den Menschen die dort vielleicht günstig wohnen oder schlecht bezahlt arbeiten einmal abgesehen).

Hört doch mit dem Feuerwerk auf!“

Richtig, in Connewitz gibt es Feuerwerk nicht nur an Silvester. Menschen finden dies auch ausserhalb von jenem einen Tag schön und machen gebrauch davon. Eigentlich outen sich in den Gesprächen hier die angeblich „länger in Connewitz lebenden“ als die „Zugezogenen“, denn Böller oder anderes Feuerwerk im Sommer war vor einigen Jahren Standard (wurde auch viel häufiger genutzt) und hat dort für erheblich weniger Aufregung gesorgt. Das Argument mit der „Ruhe“ ist von jenen mit „alternativen Outfit“ besonders lustig. Der Lärm der Autos, der Straßenbahn, das Gerede von hunderten Menschen auf der Straße, Musik, die Kneipen… all das gehört zum Leben in der Stadt dazu. Wenn ihr Gras beim wachsen hören wollt, dann zieht aufs Land, aber hört auf im „Punker*innen-Outfit“ auf „Ruhe und Ordnung“ zu bestehen.

Und hört gefälligst auf Geflüchtete als Argument vor zu schieben. Diese Menschen können sehr wohl Feuerwerk von Kriegsgeräuschen unterscheiden. In Connewitz sorgt ihr euch um eine „Retraumatisierung“, aber zu sehen ward ihr nie, wenn der rassistische Mob vor den Unterkünften in Sachsen stand, da musstet ihr in Connewitz an irgendwelchen Ecken sitzen. Auf Demonstrationen gegen diese rassistische Gesellschaft seid ihr auch nicht zu sehen, aber klar ihr habt mal gehört, dass irgendwo in einem Haus auch Geflüchtete Leben zu deren Sprecher*innen ihr euch aufspielen könnt.

Alle Menschen, die in Connewitz aktiv werden möchten, macht das!

Wer die Leute bei den Bullen verpfeift, die Barrikaden weg räumt, wir sehen euch ().


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